Ein experimenteller Ansatz zu Materialeffizienz, Ressourcenschonung und architektonischer Reduktion.
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Die Apotheke ist das zweite Projekt in einer Reihe kleiner Case Studies, die sich experimentell mit den Themen Materialökonomie, Ressourcenschonung und architektonischer Reduktion befassen. Aufbauend auf den Erkenntnissen aus dem Skinperium – einem Projekt, bei dem während der Bauphase konsequent versucht wurde, keinerlei Abfall zu produzieren – wurde dieser Ansatz im Apothekenprojekt konsequent weitergedacht.
Bereits im Entwurf lag der Fokus darauf, so wenig Material wie möglich einzusetzen und jede Komponente mehrfach zu denken: funktional, konstruktiv und atmosphärisch. So wurden Wände durch Schrankmöbel ersetzt, die zugleich Stauraum, Raumabschluss und Struktur übernehmen. Der Verzicht auf additive Bauteile führt zu einer konzentrierten, klaren räumlichen Ordnung, in der jedes Element eine präzise Aufgabe erfüllt.
Der Hochtisch im Aufenthaltsbereich dient den Apothekern tagsüber als Esstisch und integriert zugleich ein Klappbett, das für den Nachtdienst genutzt wird. Diese räumliche Doppelfunktion verdeutlicht die Haltung des Entwurfs: Architektur als Verdichtung, nicht als Addition.
Die Idee der Reduktion endet nicht mit der Planung. Auch während der Bauausführung wurde auf größtmögliche Abfallvermeidung geachtet – bis auf einen minimalen Verschnitt bei den Fliesen fiel auf der Baustelle kein Abfall an. In der Möbelproduktion wurde der Ansatz der Materialoptimierung weiter perfektioniert: Zuschnitte und Arbeitsabläufe wurden so entwickelt, dass keinerlei Reststücke entstehen. Der geringe Verschnitt, der unvermeidbar bleibt, wird in der Schreinerei vollständig weiterverwendet.
Auf eine abgehängte Decke wurde bewusst verzichtet. Die vorhandene Haustechnik bleibt sichtbar und wird Teil des architektonischen Ausdrucks. Diese Entscheidung folgt der Logik des Projekts – nichts wird verdeckt, nichts unnötig hinzugefügt. Die sichtbare Technik ergänzt das räumliche Gefüge um eine ehrliche, konstruktive Dimension und unterstreicht die Haltung, dass Reduktion nicht Kaschierung, sondern Transparenz und Präzision bedeutet.
Die Apotheke steht damit exemplarisch für eine Haltung, die Nachhaltigkeit nicht als ästhetisches Label, sondern als integralen Bestandteil architektonischen Denkens versteht. Sie zeigt, dass das Weglassen zu einer Verdichtung führen kann – zu einer Architektur, die mit minimalem Materialeinsatz maximale Wirkung erzielt.
Fotos © Steve Troes