Kunst als Teil der Architektur eines Wohnprojekts in Luxemburg
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Kunst in Architektur zu integrieren ist selten selbstverständlich. Wirtschaftliche Rahmenbedingungen, Investitionsvorgaben und baurechtliche Anforderungen lassen oft nur wenig Raum für künstlerische Interventionen. In diesem Projekt wurde die Zusammenarbeit mit dem luxemburgischen Künstler SUMO jedoch zu einem prägenden Bestandteil des Entwurfs. Dadurch entstand ein Gebäude, das über seine Funktion als Wohnhaus hinausgeht und einen echten Dialog zwischen Architektur und Kunst eröffnet.
Von Beginn an war die Zusammenarbeit mit SUMO darauf ausgerichtet, die Architektur bewusst in Szene zu setzen. Kunst wurde nicht als nachträglich hinzugefügtes Element verstanden, sondern als Bestandteil des räumlichen Konzepts. Flächen, die in der Architektur häufig unbeachtet bleiben, erhielten durch Farbe, Charakter und Bewegung eine neue Bedeutung. So entstand keine dekorative Ergänzung, sondern eine künstlerische Ebene, die fest in die Architektur eingebunden ist.
Die Arbeiten von SUMO, die dem Post-Graffiti zuzuordnen sind, ziehen sich vom Erdgeschoss bis zum Dach durch das gesamte Gebäude. Seine leuchtenden Farben und charakteristischen Figuren finden sich in Auskragungen, Rücksprüngen und Loggien wieder und verschmelzen mit den Baukörpern. Gelbe, orangefarbene und rote Wolken erscheinen unter auskragenden Bauteilen, während seine Figuren die zurückversetzten Bereiche der Fassade beleben. Die Kunst unterstreicht das Spiel der gegeneinander verschobenen Baukörper und verstärkt so die Dynamik der architektonischen Komposition.
„Das Erste, was ich mache, ist, die weiße Fläche zu zerstören... Schicht für Schicht. Ich fülle den Raum und übermale ihn wieder, ganz impulsiv. Es ist ein Kreislauf aus Zerstörung und anschließendem Erschaffen.“
Die monolithische Form des Gebäudes bildet einen bewussten Kontrast zu dieser ausdrucksstarken Intervention. Klare und reduzierte Baukörper heben das Gebäude deutlich von seiner Umgebung ab. Ein einziges Material, glänzendes schwarzes Metall, verleiht ihm seinen skulpturalen und einheitlichen Charakter. Bei Tageslicht wirkt die Fassade warm und intensiv und setzt sich von den hell verputzten Nachbargebäuden ab. An trüben Tagen geht sie nahezu in den Himmel über, während sie nachts durch die Lichter der Stadt und vorbeifahrender Fahrzeuge belebt wird. Dabei treten auch die in die Architektur integrierten Kunstwerke immer wieder hervor.
Dieses Gleichgewicht zwischen architektonischer Klarheit und künstlerischem Ausdruck prägt das Projekt. Weder tritt die Architektur in den Hintergrund, noch dominiert die Kunst den Entwurf. Beide treten miteinander in Beziehung, ergänzen sich und entwickeln eine gemeinsame gestalterische Sprache. Die Zusammenarbeit mit SUMO verdeutlicht zugleich, dass Post-Graffiti heute Teil des urbanen Raums geworden ist, auch wenn diese Kunstform bis heute kontrovers diskutiert wird.
Der Erfolg dieses Ansatzes beruhte zudem auf einem offenen Bauherrn und einer engen Zusammenarbeit während des gesamten Projekts. In einer Zeit, in der Architekten häufig nur bis zu den frühen Entwurfsphasen eingebunden sind, zeigt dieses Projekt, wie wichtig Kontinuität, Vertrauen und die Zusammenarbeit in interdisziplinären Teams bis zur Fertigstellung sind.
Durch die Integration der Arbeiten von SUMO wird das Gebäude zu einem markanten Blickfang im Stadtraum. Es zeigt, wie sich die Weiterentwicklung unserer gebauten Umwelt mit künstlerischer Interpretation verbinden lässt, ohne dass die Architektur ihre eigene gestalterische Kraft verliert. Das Ergebnis ist ein stimmiges und unverwechselbares Gesamtbild.
Fotos © Steve Troes