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Eingebettet in das dichte urbane Gefüge Luxemburgs vermittelt die Fassade des Post-Hauptsitzes zwischen historischem Bestand und zeitgenössischer Architektur. Durch das Zusammenspiel von plastischer Formgebung und fließendem Übergang verwandelt sich das geneigte Dach des historischen Accinauto-Eckgebäudes allmählich in die vertikale Ebene der neuen Natursteinfassade. So entsteht eine durchgehende Fassadenlinie, die den Übergang vom historischen Straßenbild zur neuen Bebauung harmonisch gestaltet. Vertikale Natursteinlamellen verleihen der Fassade Rhythmus, Tiefe und Sonnenschutz und greifen zugleich die mineralische Materialität der Umgebung auf. Regional gewonnener Naturstein und eine modulare Bauweise sorgen für Nachhaltigkeit, Langlebigkeit und Präzision. Die Fassade wirkt gleichermaßen markant und transparent und vermittelt zwischen Vergangenheit und Zukunft, Stadt und Arbeitswelt. Gleichzeitig definiert sie die Ecksituation als zeitgemäßen städtebaulichen Orientierungspunkt neu.
Die Integration der Accinauto-Fassade in das Helix-Gebäude unterstreicht das Konzept des neuen Hauptsitzes als Verbindung zwischen Alt und Neu. Die denkmalgeschützte Accinauto-Fassade wurde durch vertikale Natursteinlamellen aus Giallo Istria ergänzt, die sich allmählich neigen und nahtlos in das bestehende Dach übergehen. Die Lamellen verleihen der Fassade einen klaren Rhythmus, modulieren Licht und Schatten, dienen als Sonnenschutz und schaffen eine starke architektonische Identität. Ihre konsequent vertikale Ausrichtung lenkt den Blick nach oben und erzeugt je nach Perspektive ein Wechselspiel zwischen Transparenz und Geschlossenheit, wodurch das Gebäude zugleich Offenheit und Präsenz ausstrahlt.
Die Lamellen reagieren zudem präzise auf die städtebauliche Situation. Bei der Annäherung an den Place de la Gare, ob mit dem Auto, der Straßenbahn oder zu Fuß, bleibt die Perspektive stets längsgerichtet und betont die Kontinuität der Fassade. Im Erdgeschoss öffnet sich der Post-Bereich mit einer großzügigen Verglasung zum Platz und ermöglicht Einblicke in das Gebäudeinnere. So entsteht ein sensibler Dialog zwischen historischem Bestand und zeitgenössischer Architektur.
Accinauto, die Abkürzung für Accessoires pour l’industrie et l’Automobile, war ein Groß- und Einzelhändler für Industrie- und Automobilbedarf. Das Unternehmen wurde 1922 gegründet und war in Luxemburg unter dem Motto „everything for all that rolls and turns“ bekannt. Nach mehreren Standorten bezog Accinauto 1948 das Gebäude gegenüber dem Luxemburger Hauptbahnhof und expandierte später nach Belgien mit Filialen in Brüssel, Namur und Arlon. Um 1984 wurde der Betrieb eingestellt.
Das Gebäude trägt bis heute die namensgebende Attikaaufschrift sowie die Initialen „FP“ zu beiden Seiten des Schriftzugs Accinauto, die auf den Gründer und Bauherrn François Peusch verweisen. Entworfen wurde das Gebäude vom Architekten Michel Wolff und 1948 fertiggestellt. Aufgrund seiner historischen und architektonischen Bedeutung steht es seit September 2015 im nationalen Denkmalinventar.
Zwei Reliefs des luxemburgischen Künstlers Auguste Trémont schmücken die Fassade und den Eingangsbereich. Das erste zeigt einen Hochofenarbeiter sowie Elemente eines Stahlwerks und eines Walzwerks und verweist damit auf die Stahlindustrie als einen der wichtigsten Wirtschaftszweige Luxemburgs jener Zeit. Das zweite Relief widmet sich dem Tourismus, der sich damals dynamisch entwickelte. Es zeigt eine elegante Dame mit ihrem Hund auf einer Autofahrt zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten Luxemburgs, darunter Vianden, Clervaux, Echternach und das Schloss Brandenburg.
Da im Gebäudeinneren nur wenige historische Ausstattungen erhalten geblieben waren, lag der Schwerpunkt auf der Restaurierung und Aufwertung der Fassaden. Der ursprünglich aus schwarzem Granit bestehende Sockel, der im Laufe der Zeit unsachgemäß ersetzt worden war, wurde ebenso wie die Fensterrahmen entsprechend der ursprünglichen Gestaltung rekonstruiert. Besondere Aufmerksamkeit galt außerdem den keramischen Reliefs im Eingangsbereich. Metaform integrierte das Accinauto-Gebäude auf direkte und zugleich respektvolle Weise in den Helix-Neubau. Die Natursteinlamellen der neuen Fassade schaffen dabei eine klare Verbindung zwischen denkmalgeschütztem Bestand und zeitgenössischer Architektur.
Die Fassade des Helix wurde in Zusammenarbeit mit Annen realisiert, das für sämtliche Fassadenarbeiten einschließlich der Gebäudehülle und Fenster verantwortlich war. Metaform übernahm die architektonische Gestaltung. Die Umsetzung der Fassade stellte dabei hohe technische Anforderungen.
Auf dem Gelände der Firma Annen wurde ein Funktionsmock-up im Maßstab 1:1 errichtet, um konstruktive Details zu überprüfen und verschiedene Ausführungsvarianten zu testen. Zudem wurde das Accinauto-Gebäude digital vermessen, um präzise Konturen für die Tragwerksplanung zu erfassen. Dieses Verfahren kommt insbesondere bei komplexen Konstruktionen zum Einsatz.
Die mit Naturstein verkleideten, vertikalen Fassadenelemente bilden eine vergleichsweise schwere Konstruktion und wurden daher umfangreichen Schwingungsprüfungen unterzogen. Auf Grundlage einer Vorstudie von Post und Metaform errichtete Annen am Mock-up drei Fassadenelemente einschließlich ihrer Tragstruktur. So konnte das Fassadensystem unter möglichst realen Bedingungen getestet und optimiert werden. Die gewonnenen Erkenntnisse flossen anschließend in die endgültige Tragwerksplanung ein.
Aus wirtschaftlichen und konstruktiven Gründen wurde die innere Tragstruktur aus Holz statt aus Stahl ausgeführt. Für die Fassade wurde eine durchgehende Verglasung gewählt, die von einer kreuzförmigen Aluminiumkonstruktion getragen wird. Zum Einsatz kamen großformatige, konvex gebogene Dreifachverglasungen sowie CNC-gefertigte Tragstrukturen. Die bis zu 5,5 Meter hohen und bis zu zwei Tonnen schweren Glaselemente wurden mit Spezialhebegeräten und Minikränen montiert, wodurch auf ein herkömmliches Fassadengerüst verzichtet werden konnte und die Baustellenkräne entlastet wurden.
Die enge Zusammenarbeit zwischen Annen und Metaform war während des gesamten Projekts entscheidend, um die architektonische Vision umzusetzen und den sensiblen Umgang mit dem historischen Bestand sicherzustellen.
Fotos © Simon Menges & Nino Tugushi
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