Nachhaltigkeit ist keine Frage des Erscheinungsbildes, sondern der Verantwortung
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Beim Paperjam 10x6: The Power of Sustainability zeigten Unternehmen aus den Bereichen Tabak, Finanzwesen, Stahlindustrie, Gastronomie, Architektur, Energie und Technologie, dass Nachhaltigkeit weit mehr ist als ein Schlagwort. Sie ist eine konkrete, manchmal auch widersprüchliche Praxis, geprägt von Daten, strategischen Entscheidungen, praktischen Rahmenbedingungen und dem Mut, neue Wege zu gehen.
Ljiljana Vidovic, Architektin, Senior Associate und Leiterin der Konzeptentwicklung bei Metaform, vertrat das Büro auf der Veranstaltung und sprach darüber, wie sich Nachhaltigkeit in der Architektur konkret in Planungs- und Bauprozesse integrieren lässt.
Die zentrale Botschaft war eindeutig: Nachhaltigkeit ist keine Frage des Erscheinungsbildes, sondern der Verantwortung. Unsere Branche darf sich nicht auf grüne Elemente, Labels oder technische Lösungen verlassen. Entscheidend ist, wie wir planen, entwerfen, bauen, wiederverwenden und Gebäude so gestalten, dass sie sich langfristig weiterentwickeln können.
Nachhaltigkeit geht weit über Marketing oder Ästhetik hinaus. Obwohl der Begriff allgegenwärtig ist, ist er vielerorts zu einem Image geworden, statt zu einer Haltung. Da rund 39 % der weltweiten CO₂-Emissionen auf den Gebäude- und Bausektor entfallen, tragen Architekten eine besondere Verantwortung. Zertifizierungen wie LEED Platinum allein garantieren keine nachhaltige Wirkung, und „smarte“ Städte ohne gelebtes Gemeinschaftsleben laufen Gefahr, zu leeren Kulissen zu werden. Wirkliche Nachhaltigkeit braucht Leben, Nutzung und Menschen.
Nachhaltigkeit beginnt mit Stadtplanung und Architektur
Stadtplanung ist ein zentraler Hebel für mehr Nachhaltigkeit. Strategien wie kompakte Siedlungsstrukturen, kurze Wege, eine vielfältige Nutzungsmischung und ein gut ausgebauter öffentlicher Nahverkehr können dazu beitragen, Emissionen deutlich zu reduzieren. Das Superblock-Modell in Barcelona zeigt beispielhaft, wie eine konsequente Ausrichtung des öffentlichen Raums auf den Menschen statt auf das Auto Straßen lebenswerter, ruhiger und gesünder gestalten kann.
Auch die Landschaftsarchitektur trägt dazu bei, ehemalige Industrieflächen in grüne Infrastrukturen zu transformieren. Gleichzeitig eröffnet der Bauprozess selbst zahlreiche Möglichkeiten für Wiederverwendung, Materialeinsparung und einen bewussten Ressourceneinsatz. Durch intelligente Strategien zur Wiederverwendung lassen sich Abfälle reduzieren, Energie einsparen und die Lebensdauer von Gebäuden verlängern.
Metaform setzt diese Prinzipien unter anderem in den Projekten Um Bock, Skinperium, Apotheke Marx und dem derzeit entstehenden Projekt Epernay um. Im Mittelpunkt stehen Wiederverwendung, Zero Waste, ein bewusster Umgang mit Ressourcen sowie Low-Tech-Strategien. So entstehen Gebäude, deren Leistungsfähigkeit aus dem Entwurf selbst hervorgeht und nicht aus aufwendiger Gebäudetechnik.
„Wahre Nachhaltigkeit zeigt sich in der Lebensdauer eines Gebäudes. In seiner Fähigkeit, sich zu verändern. Sich anzupassen. Sich weiterzuentwickeln. Nachhaltig zu bauen heißt, Veränderung zu ermöglichen.“
Anpassungsfähige Gebäude ermöglichen es künftigen Generationen, bestehende Bauten weiterzuentwickeln, anstatt sie abzureißen. So entsteht langfristiger Mehrwert für Menschen und Städte. Gleichzeitig gilt: Nicht jede Strategie eignet sich für jedes Projekt. Nachhaltigkeit fordert immer auch die Bereitschaft, für jede Aufgabe die passende Lösung zu finden.
Wenn Nachhaltigkeit Wirkung entfalten soll, muss sie authentisch sein, auf intelligenter Planung beruhen und langfristige Werte schaffen. Mit genau dieser Botschaft endete der Vortrag beim Paperjam 10x6: Nachhaltigkeit beginnt mit Ehrlichkeit.
Wir bedanken uns herzlich beim Paperjam Club für die Einladung und die Möglichkeit, Teil einer Diskussionsrunde mit so vielfältigen Perspektiven zu sein. Unser Dank gilt ebenso Joost van Oorschot, Sigridur Torfadottir, William Meyer, Clémentine Venck, Tom Wirion, Julie Schadeck, Paul Zens, Sebastien Wiertz und Jane Feehan.
Lesen Sie hier den vollständigen Artikel zur Veranstaltung.
Fotos © Julian Pierrot / Paperjam